Kirsty Bell

Gezeiten der Stadt

Diese seltene Mischung aus Memoir, Kulturgeschichte und Stadtbild ist ein Gegenentwurf zu den Berlin-Büchern der Vergangenheit. Eine elegante und bewegende Erinnerung an eine verwundete Metropole.

Von ihrem Zimmer am Landwehrkanal aus hat die britisch-amerikanische Kunstkritikerin Kirsty Bell einen besonderen Blick auf die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt. Ihr Augenmerk gilt nicht den Königen und den Monumenten. Es sind die Brachen, die drängenden Wasser und die besonderen Schicksale, die sie interessieren. Preußische Militarismus und männlicher Ingenieurssinn haben Berlin geprägt, die Gewalt des 20. Jahrhunderts hat es traumatisiert. Von Walter Benjamin zu Rosa Luxemburg, von Gabriele Tergit zu Hannah Arendt und hin zu den Bewohner:innen ihres eigenen Gründerzeithauses lässt Kirsty Bell die Menschen sprechen. Noch immer ist die Stadt aus dem Takt, so wie es Bells eigenes Leben war. Doch nur deshalb kann sie Berlin zum Besseren hin erzählen.

 

Kirsty Bell ist Kunstkritikerin. Sie studierte in Cambridge Kunstgeschichte und Englische Literatur. Sie schreibt u.a. für Ausstellungskataloge und weltbekannte Museen. Geschult in der Kunst der feinen Beobachtung, nähert sie sich diesmal ihrer neuen Heimat Berlin, wo sie seit 2001 lebt.

 

Laura Su Bischoff übersetzt seit 2014 Literatur aus dem Englischen, u.a. von Bee Wilson, John Brockman und Pankaj Mishra.

 

Michael Bischoff übersetzt seit 1977 aus dem Französischen und Englischen, u.a. Werke von Émile Durkheim, Michel Foucault und Richard Sennett.

Presse

Gezeiten der Stadt war auf der Sachbuch Bestenliste Dezember 2021 von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und der ZEIT:

 

»Klar, Berlin-Bücher gibt es viele. Kirsty Bells Blick aber ist ein vollkommen neuer: Entlang der Wasseradern bewegt sich die britisch-amerikanische Kunstkritikerin durch die Geschichte Berlins. Im Takt der Gezeiten lernt sie die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt, neu kennen – und stößt dabei auf berühmte Ex-Bewohner: Auf Walter Benjamin, Rosa Luxemburg oder Hannah Arendt.«

Aus der Begründung der Jury

 

»Der fast manische Zugang der Autorin ist umwerfend, die Passagen über die Weimarer Republik und die letzten Kriegsmonate 1945 in ihrem Viertel sind atemberaubend. Diese Autorin schaut auf die Stadt wie Virginia Woolf in ihrer Erzählung Das Mal an der Wand

Andrea Seibel, Die literarische Welt

 

»Kirsty Bell ist ein echtes Kunststück gelungen: Sie erzählt von der versunkenen Vergangenheit Berlins als frisch aufgetauchter Gegenwart – und sie erklärt die Energie dieser Stadt aus der Geschichte der Menschen, der Straßen, der Hoffnungen, die sie geprägt haben.«

Florian Illies

 

»Kirsty Bell hat ein Berlin-Buch geschrieben, wie ich es bisher noch nicht gelesen habe!«

Insa Wilke, Gutenbergs Welt

 

»Ein fesselndes Porträt der deutschen Hauptstadt. […] Bells Buch bezieht seine Spannung aus der Art, wie alles miteinander verwoben ist: Persönliches und Privates mit dem großen Lauf und den bekannten Namen der Geschichte sowie den vielen Zeugnissen und Stimmen derer, von denen man in herkömmlichen Darstellungen nur selten liest.«

Katharina Rudolph, FAZ

 

»Im Erforschen ihres sozialen Nahbereichs erinnert Bells wunderbar tiefsinniges Buch an Pascal Hugues‘ Ruhige Straße in guter Wohnlage: Hier wie dort ist es der Blick einer Zugewanderten, der neue Schichten im Gesamtbild freilegt. Einsichten in Sümpfe und Gezeitenströme verdankt es auch Klaus Theweleits Männerphantasien. Der große Gewährsmann aber ist Walter Benjamin. Wie Benjamins Denkbildern liegt der Erzählung das Wissen zugrunde, dass im Fragment mehr Bedeutung steckt als im Anschein des großen Ganzen. Die Spuren der Vergangenheit sind überall. Man muss sie nur zu lesen wissen.«

Thomas Groß, Deutschlandfunk Kultur

 

»Die wärmsten und genauesten Bücher über die deutsche Hauptstadt schreiben Briten, das ist eigentlich seit Christopher Isherwoods Berlin Stories bekannt. Die Kunstkritikerin Kirsty Bell, […] hat mit Gezeiten der Stadt  jetzt ein Berlin-Buch geschrieben, das dementsprechend einerseits mit preußischer Akkuratesse recherchiert ist und andererseits in der angelsächsischen Tradition persönlich gehaltener ›memoirs” steht. Das ist in diesem Fall unbedingt ein Vorteil, weil Bell, die darin auch vom Scheitern einer Ehe erzählt, sich vor allem für die Frauenfiguren in der Geschichte der Stadt interessiert, also eher für die Perspektive von Luxemburg und Tergit als immer nur für die von Döblin oder eben Isherwood. [Berlin ist] in Wahrheit ein Morast, an dessen Trockenlegung immer noch gearbeitet wird, und ein Sumpf, in dem die Leute strampelnd versinken – was den meisten auch noch ein eigentümliches Vergnügen ist. Aber das ist das Versinken in einem guten Buch ja auch.«

Peter Richter, Süddeutsche Zeitung

 

»It is easy to be carried along by these submerged currents, by the momentum of the prose, the motion through a resisting city. As in other classics of urban discovery, the personal becomes universal, and the past that demands to live in the present is revealed like a shining new reef. As we return, time and again, to the solitary figure at the window.«

Iain Sinclair

 

»Eine Stadtgeschichte der letzten 150 Jahre, die sensibilisiert für die Leistungen, die kulturellen, die politischen, aber unbedingt auch die alltäglichen Leistungen und das Leiden von Frauen, die in der großen, männlichen Geschichtsschreibung meist nicht vorkommen […] so zugänglich sich auch das Ergebnis liest und so persönlich es auch ist, es ist eben auch ganz solide, wissenschaftliche, historische Forschung […] [Kirsty Bell verfolgt] Ansätze, die versuchen zu zeigen, wie die Energien von Menschen, die hier mal gelebt haben, gelitten haben, was geleistet haben, wie die erhalten geblieben sind, in ihren Werken, in den Häusern aber auch in sowas schwer beschreibbaren, wie Gedankenfeldern und ich finde es sehr bemerkenswert, dass auch solche Aspekte in diesem Buch vorkommen, als Ausdruck davon, wie umfassend und mit welcher wirklich besonderen Sensibilität Kirsty Bell ihre Berliner Stadtgeschichte geschrieben hat.«

Thomas Böhm, Radio eins

 

»In ihrem Buch blickt sie aus ihrem Küchenfenster. Und sieht die Historie der Stadt, wie sie sich rundherum zusammenballt, verblüffend verdichtet, zu einer sehr eigenen, sehr besonderen Erzählung Berlins. So liest man die Stadt sehr anders.« 

Erik Heier, tip Berlin

 

»With The Undercurrents, Kirsty Bell does for Berlin what Luc Sante has done for New York and Rebecca Solnit for San Francisco; she tells the stories recorded in the city’s stone and water, and in the hearts of its inhabitants. Her profound and idiosyncratic chronicle of Berlin is an act of hydromancy, divining a history of love and loss from the water that flows beneath and between the city’s bricks.«

Dan Fox

 

»I read this watery, engrossing book in the bath, following along as Kirsty Bell’s reflective curiosity leads her onward along the Landwehr canal, in and out of the archives, novels, memoirs, and stories of her building and her neighbourhood. Evocative and fascinating, The Undercurrents is a liquid psychogeography of Berlin that had me mulling over the psychic charge of place not only where Bell lives, but where I live too.«

Lauren Elkin

 

»From the first moment I heard Kirsty Bell read from her writing, I have yearned for the book she was then working on. And now here it is, perfect and perfectly balanced, a clear-eyed and beautifully written account about place, about consciousness. I treasure The Undercurrents, and so will you.«

Hilton Als

Kirsty Bell

Gezeiten der Stadt

Eine Geschichte Berlins

Ca. 320 Seiten.

Gebunden mit SU

Mit Karten

 

Originalausgabe:

The Undercurrents.

A Story of Berlin

Fitzcarraldo Editions,

London 2022

 

Aus dem Englischen von

Laura Su Bischoff und

Michael Bischoff

€ 28,00 (D) / € 28,80 (A)

 

ISBN 978-3-98568-005-4

Erschienen am 20.10.2021

Auch als E-Book erhältlich