Kirsty Bell

Gezeiten der Stadt

Diese seltene Mischung aus Memoir, Kulturgeschichte und Stadtbild ist ein Gegenentwurf zu den Berlin-Büchern der Vergangenheit. Eine elegante und bewegende Erinnerung an eine verwundete Metropole.

Von ihrem Zimmer am Landwehrkanal aus hat die britisch-amerikanische Kunstkritikerin Kirsty Bell einen besonderen Blick auf die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt. Ihr Augenmerk gilt nicht den Königen und den Monumenten. Es sind die Brachen, die drängenden Wasser und die besonderen Schicksale, die sie interessieren. Preußische Militarismus und männlicher Ingenieurssinn haben Berlin geprägt, die Gewalt des 20. Jahrhunderts hat es traumatisiert. Von Walter Benjamin zu Rosa Luxemburg, von Gabriele Tergit zu Hannah Arendt und hin zu den Bewohner:innen ihres eigenen Gründerzeithauses lässt Kirsty Bell die Menschen sprechen. Noch immer ist die Stadt aus dem Takt, so wie es Bells eigenes Leben war. Doch nur deshalb kann sie Berlin zum Besseren hin erzählen.

Presse

»Gezeiten der Stadt« ist auf der Sachbuch Bestenliste Dezember von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und der ZEIT:

 

»Klar, Berlin-Bücher gibt es viele. Kirsty Bells Blick aber ist ein vollkommen neuer: Entlang der Wasseradern bewegt sich die britisch-amerikanische Kunstkritikerin durch die Geschichte Berlins. Im Takt der Gezeiten lernt sie die Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt, neu kennen – und stößt dabei auf berühmte Ex-Bewohner: Auf Walter Benjamin, Rosa Luxemburg oder Hannah Arendt.«

Aus der Begründung der Jury

 

»Der fast manische Zugang der Autorin ist umwerfend, die Passagen über die Weimarer Republik und die letzten Kriegsmonate 1945 in ihrem Viertel sind atemberaubend. Diese Autorin schaut auf die Stadt wie Virginia Woolf in ihrer Erzählung: „Das Mal an der Wand“.«

Andrea Seibel, Die literarische Welt

 

»Kirsty Bell ist ein echtes Kunststück gelungen: Sie erzählt von der versunkenen Vergangenheit Berlins als frisch aufgetauchter Gegenwart – und sie erklärt die Energie dieser Stadt aus der Geschichte der Menschen, der Straßen, der Hoffnungen, die sie geprägt haben.«

Florian Illies

 

»Kirsty Bell hat ein Berlin-Buch geschrieben, wie ich es bisher noch nicht gelesen habe!«

Insa Wilke, Gutenbergs Welt

 

»Im Erforschen ihres sozialen Nahbereichs erinnert Bells wunderbar tiefsinniges Buch an Pascal Hugues‘ „Ruhige Straße in guter Wohnlage“: Hier wie dort ist es der Blick einer Zugewanderten, der neue Schichten im Gesamtbild freilegt. Einsichten in Sümpfe und Gezeitenströme verdankt es auch Klaus Theweleits „Männerphantasien“. Der große Gewährsmann aber ist Walter Benjamin. Wie Benjamins Denkbildern liegt der Erzählung das Wissen zugrunde, dass im Fragment mehr Bedeutung steckt als im Anschein des großen Ganzen. Die Spuren der Vergangenheit sind überall. Man muss sie nur zu lesen wissen.«
Thomas Groß, Deutschlandfunk Kultur

 

»Die wärmsten und genauesten Bücher über die deutsche Hauptstadt schreiben Briten, das ist eigentlich seit Christopher Isherwoods „Berlin Stories“ bekannt. Die Kunstkritikerin Kirsty Bell, […] hat mit „Gezeiten der Stadt“ (Kanon-Verlag) jetzt ein Berlin-Buch geschrieben, das dementsprechend einerseits mit preußischer Akkuratesse recherchiert ist und andererseits in der angelsächsischen Tradition persönlich gehaltener „memoirs“ steht. Das ist in diesem Fall unbedingt ein Vorteil, weil Bell, die darin auch vom Scheitern einer Ehe erzählt, sich vor allem für die Frauenfiguren in der Geschichte der Stadt interessiert, also eher für die Perspektive von Luxemburg und Tergit als immer nur für die von Döblin oder eben Isherwood. [Berlin ist] in Wahrheit ein Morast, an dessen Trockenlegung immer noch gearbeitet wird, und ein Sumpf, in dem die Leute strampelnd versinken – was den meisten auch noch ein eigentümliches Vergnügen ist. Aber das ist das Versinken in einem guten Buch ja auch.«

Peter Richter, Süddeutsche Zeitung

 

»Eine Stadtgeschichte der letzten 150 Jahre, die sensibilisiert für die Leistungen, die kulturellen, die politischen, aber unbedingt auch die alltäglichen Leistungen und das Leiden von Frauen, die in der großen, männlichen Geschichtsschreibung meist nicht vorkommen […] so zugänglich sich auch das Ergebnis liest und so persönlich es auch ist, es ist eben auch ganz solide, wissenschaftliche, historische Forschung […] [Kirsty Bell verfolgt] Ansätze, die versuchen zu zeigen, wie die Energien von Menschen, die hier mal gelebt haben, gelitten haben, was geleistet haben, wie die erhalten geblieben sind, in ihren Werken, in den Häusern aber auch in sowas schwer beschreibbaren, wie Gedankenfeldern und ich finde es sehr bemerkenswert, dass auch solche Aspekte in diesem Buch vorkommen, als Ausdruck davon, wie umfassend und mit welcher wirklich besonderen Sensibilität Kirsty Bell ihre Berliner Stadtgeschichte geschrieben hat.«

Thomas Böhm, Radio eins

Kirsty Bell

Gezeiten der Stadt

Eine Geschichte Berlins

ca. 320 Seiten.

Gebunden mit SU

Mit Karten

 

Originalausgabe:

The Undercurrents.

A Story of Berlin

Fitzcarraldo Editions,

London 2022

 

Aus dem Englischen von

Laura Su Bischoff und

Michael Bischoff

€ 28,00 (D) / € 28,80 (A)

 

ISBN 978-3-98568-005-4

Erschienen am 20.10.2021

Auch als E-Book erhältlich

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